8. März 2019

Digitalisierung vs. Mensch: Führung ohne persönlichen Kontakt?

Wenn die öffentliche Verwaltung den Wettlauf um Fachkräfte nicht verlieren will, muss sie sich modernisieren. Doch wie wirkt sich die digitale Arbeitswelt auf die Zusammenarbeit und Führung von Mitarbeitern aus? Dieser Frage geht unser Gastautor Dr. Winfried Klein nach.

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Summary

Fachkräfte suchen moderne Arbeitgeber, die ihnen Selfservices und die Möglichkeit zur Telearbeit bieten. Doch die Modernisierung der Verwaltung hat Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und Führung von Mitarbeitern. Durch die Digitalisierung können fachliche Informationen zukünftig schneller abgerufen werden, Ergebnisse werden in den Fokus gerückt. Aber auch im digitalen Zeitalter darf der persönliche Kontakt nicht fehlen.

Die öffentliche Verwaltung muss mobiles und zeitlich flexibles Arbeiten ermöglichen, um in Zeiten des demografischen Wandels ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben.

Steine ins Rollen bringen

Mitte November hatte ich das Vergnügen, einen Workshop beim Führungskräfteforum „Innovatives Management“ zu leiten. Im Workshop wollte ich diskutieren, ob es auch in Zukunft den persönlichen Kontakt bei der Arbeit braucht und wenn ja, welche Möglichkeit es gibt, ihn zu halten.

Schnell herrschte Einigkeit darüber, dass die öffentliche Verwaltung mobiles und zeitlich flexibles Arbeiten ermöglichen muss, um in Zeiten des demografischen Wandels ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Doch dann passierte das, was ich leider häufig in der öffentlichen Verwaltung beobachte: Wir klagten über die Steine auf dem Weg, anstatt sie ins Rollen zu bringen.

Zukunft der Verwaltung gestalten

Es ist an der Zeit, auch im öffentlichen Sektor die Voraussetzungen für digitales Arbeiten zu schaffen. Damit meine ich nicht nur die Möglichkeiten zur Telearbeit. Es gilt, Prozesse zu modernisieren, zukunftsfähige Technologien einzuführen und eine Kultur des Vertrauens aufzubauen.

Zudem sollten Führungskräfte die Vielfalt der Bedürfnisse in ihrer Organisation akzeptieren und sogar begrüßen. Einem Teil der Beschäftigten wird es auch künftig wichtig sein, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Work-Life-Balance kann aber auch bedeuten, morgens im Büro zu sein, sich nachmittags mit den Kindern zu beschäftigen und am Abend aus dem Home-Office weiterzuarbeiten. Diese Möglichkeit bietet die öffentliche Verwaltung noch zu selten.

Wir müssen endlich Lösungen finden, anstatt nur über Probleme zu reden.

Geht der persönliche Kontakt verloren?

Doch angenommen, wir schaffen endlich die Voraussetzungen für digitales Arbeiten – was wird dann aus dem persönlichen Kontakt? Können wir in Zukunft auf das analoge Miteinander verzichten? Meine Antwort lautet: Es kommt darauf an!

Neue Projekte werden meiner Ansicht nach auch in Zukunft nur dann erfolgreich verlaufen, wenn sich Menschen im persönlichen Kontakt zu einem echten Team verbinden. Wir sollten Führungskräfte deshalb in die Lage versetzen, fachliche Informationen zu den Talenten und Kompetenzen ihrer Mitarbeiter leichter abrufen zu können, um Teams aus den jeweils am besten geeigneten Mitarbeitern zusammenzustellen.

Es erfordert ein grundlegendes Umdenken von der öffentlichen Verwaltung, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und dabei den Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.

Was zählt, ist das Ergebnis

Im Gegensatz dazu ist es denkbar, den persönlichen Kontakt bei Routineaufgaben auf ein Minimum zu reduzieren. Standardisierte Prozesse und regelmäßiges Coaching könnten die Qualität der Arbeit sichern – teambildende Maßnahmen das Soziale als sinnstiftende Komponente erhalten.

Die Art der Führung muss sich in einer digitalisierten Verwaltung ändern. Statt zu kontrollieren wann, wo und wie lange jemand arbeitet, rückt in Zukunft die Ergebniskontrolle weiter in den Mittelpunkt.

Dr. Winfried Klein,

Referatsleiter Strukturfragen und Digitalisierung Evangelische Landeskirche in Württemberg

Foto von Andre und Olli

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