21. November 2018
Veranstaltungen

#IMA18: Inspirationen für die Verwaltung der Zukunft

Wie Verwaltungen digitale Könner gewinnen und Bürger zu Königen machen – das und vieles mehr war Thema auf dem 18. Führungskräfteforum "Innovatives Management" in Lübeck. Neben Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther lieferten 17 Referenten in 10 Werkstätten und 3 Impulsvorträgen Denkanstöße.

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Summary

Über 300 Führungskräfte aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik trafen sich am 14. November 2018 in Lübeck, um neue Perspektiven für die Verwaltung von morgen zu entwickeln. Das Führungskräfteforum „Innovatives Management“ bietet Entscheidern dazu seit vielen Jahren eine Plattform für den Austausch aktueller Führungsthemen. Im Fokus stand die Frage, wie Verwaltungen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern können, um junge Arbeitskräfte zu gewinnen. 

Wie können Verwaltungen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern, um junge Arbeitskräfte zu gewinnen?
Für eine erfolgreiche Gestaltung der Verwaltungszukunft braucht es eine Kultur von Mut, Emotionalität und Kreativität, Willen zur Entscheidung und Machen.

Innovativ Denken

Die Veranstaltung richtete sich in diesem Jahr erstmals auch an Innovationstreiber aus der Start-up-Szene sowie an zukünftige Führungskräfte und Studierende, die mit ihren Impulsen die Diskussionen und Werkstätten bereicherten.

„Es freut uns außerordentlich, dass so viele Entscheider aus den verschiedenen Bereichen der Verwaltung, aber auch aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Lübeck gekommen sind, um gemeinsam über die Zukunft der Verwaltung zu diskutieren. Über 300 Teilnehmer waren in diesem Jahr dabei – das ist großartig und zeigt, dass ein Austausch über dieses wichtige Thema unbedingt notwendig und lohnend ist“, sagt Rolf Sahre, Gastgeber und Vorstandsvorsitzender der MACH AG.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen – das ist Ministerpräsident Daniel Günther besonders wichtig, wenn es um die Verwaltung als Arbeitgeber geht. Wie dies mithilfe der Digitalisierung gelingen kann, erläuterte er in seinem Impulsvortrag. Mobiles und flexibles Arbeiten sei notwendig, um den heutigen Ansprüchen an Arbeit gerecht zu werden. Außerdem steht der Abbau von Bürokratie ganz oben auf der Liste des Ministerpräsidenten: Bis 2022 sollen Verwaltungsleistungen digital angeboten werden. Dabei sei sicherzustellen, dass alle Bürger mitgenommen werden. Wesentliche Vorteile für die öffentliche Verwaltung sieht Daniel Günther in Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI). Sie werde durch die intelligente Abbildung von heutigen Routineprozessen Zeit schaffen für wichtige Aufgaben, die von Menschen wahrgenommen werden müssen. Dazu brauche es eine technische Grundlage, die Günther durch den Ausbau des Glasfasernetzes in Schleswig-Holstein schaffen will.

Dr. Steffi Burkhart erklärte, was Arbeitnehmer zwischen 20 und 35 Jahren (Generation Y) von ihren Arbeitgebern heutzutage noch erwarten. Die Zeiten wären andere: geprägt von Unsicherheit, Komplexität und einer hohen Dynamik. Digitalisierung wirke dabei als zusätzlicher Beschleuniger. Außerdem würden moderne Konsumenten Dienstleistungen „on Demand“ erwarten: Der Kunde möchte König sein. Die Verwaltung müsse den Bürgern daher als ihren Kunden die Krone aufsetzen. Junge Leute hätten außerdem eine genaue Vorstellung davon, wie sie geführt werden möchten. 

Dr. Sönke E. Schulz, Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages, sieht in der Digitalisierung einen wesentlichen Faktor zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität: „Es gilt, eine moderne Arbeitsumgebung zu schaffen, die den Bedürfnissen junger Arbeitnehmer gerecht wird. Dabei muss die Basis der digitalen Verwaltung eine funktionierende elektronische Akte sein.“ Dazu sei in den Ausbildungen anzusetzen, denn in vielen Bereichen spiele Digitalisierung heute noch keine Rolle.

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Für Silvia Bechtold, Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsamtes, ist die Verwaltung von „dicken Brettern“ geprägt, die noch zu bearbeiten sind. Obwohl sich in den letzten 10 Jahren einiges getan habe, seien viele Einrichtungen noch zu starr. Damit Digitalisierung funktioniert, müssten Partnerschaften über Hierarchien stehen, in denen sich Mitarbeiter und Führungskräfte miteinander vernetzen. Bechtold sieht zudem den Gesetzgeber in der Pflicht und forderte, Tarifrecht und Beamtenbund auf den Prüfstand zu stellen. 

Friedhelm Schäfer zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung bei der Positionierung der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber. Studien belegten, dass sich wieder mehr junge Leute für die Verwaltung als Arbeitgeber entscheiden. In den MINT-Studiengängen sieht er noch Handlungsbedarf. „Um digitale Könner zu binden, müssen sie ihre Fähigkeiten entfalten können“, weiß Steffi Burkhart. Das gehe aber nur, wenn die Kultur der Regelhaftigkeit verändert und sich von „Handläufen“, im Sinne von überholten Regeln, gelöst wird.

Als Führungskräfte gefragt seien „Menschenfreunde“, die ihre Arbeit als „Dienstleistung an Menschen“ verstehen, sagte Silvia Bechtold. Ebenso wichtig ist für sie der Umgang mit Bestandspersonal, das ein Miteinander mit der jungen Generation anstreben sollte. Entscheidend sei, erfahrene Kollegen zu motivieren, Veränderungen positiv wahrzunehmen. Wie dies gelingen kann, weiß Farina Steinert, Chief of Digital Happiness bei der oncampus GmbH: „Wir müssen vermitteln, dass Digitalisierung Spaß macht. In der Generation Y ist das angekommen – bei den älteren Kollegen muss das auch gelingen!“

Dass viele Führungskräfte nach wie vor im „Modus der Erfahrung“ agierten, sieht Steffi Burkhart problematisch. Es brauche mehr Vorgesetzte, die mit Unsicherheit umgehen können. Häufig fehle dieses „Mindset zum Gestalten“ jedoch. Sönke Schulz würde gerne weniger diskutieren und mehr „ins Machen“ kommen. Doch: „Einfach mal loslegen ist in der öffentlichen Verwaltung schwer. Es gibt viele Leute mit guten Ideen, die zu oft unter dem Radar bleiben“, stellte Schulz fest. „Hier sind wir als Führungskräfte gefragt! […] Wir müssen unseren Mitarbeitern einen Schutzraum geben und gute Leute so fördern“, sagte Farina Steinert.

Farina Steinert stellte zudem klar: „Es geht nicht, dass wir, sobald es um Veränderungen geht, immer auf die anderen verweisen. Wir müssen uns mehr fragen: Wie kann ich mit gutem Beispiel vorangehen? Sönke Schulz wünschte sich, „dass Fehler auch mal auf höchster Ebene zugegeben werden. Das wäre auf jeden Fall ein Zeichen.“ Die Veränderung müsse in den Köpfen anfangen, denn „ohne verändertes Denken bringen flache Hierarchien gar nichts“, weiß Steffi Burkhart. Farina Steinert hat dies bereits ausprobiert: „Wenn wir die Steuerung mehr abgeben und loslassen, werden ungeahnte Potenziale geweckt und völlig neue Ideen entstehen.“ 

„Für eine erfolgreiche Gestaltung der Verwaltungszukunft braucht es eine Kultur von Mut, Emotionalität und Kreativität, Willen zur Entscheidung und Machen – das haben wir auf dem diesjährigen Kongress Innovatives Management in beeindruckender Weise durch die Referenten erfahren. Bei der Gestaltung dieser Kultur wünsche ich allen viel Erfolg!“, fasste Rolf Sahre die Veranstaltung zusammen.

Sandra Obendorf,

PR & Marketing Managerin MACH AG

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