4. Oktober 2018

Revolution dank Blockchain? So profitieren Verwaltungen

Die Blockchain-Technologie ist einer der Digital-Trends, der die öffentliche Verwaltung fit für die Zukunft machen soll. Jan Hedtfeld, Blockchain-Experte im Innovation Hub der MACH AG, erklärt im Interview die Vorteile, die der Blockchain-Einsatz im Behördenumfeld bewirken kann – und wo MACH konkrete Einsatzszenarien sieht.

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Summary

Die Blockchain-Technologie ist aktuell ein vieldiskutiertes Thema, denn der Einsatz neuer Technologien birgt gerade für die öffentliche Verwaltung viele Vorteile. Neben der Möglichkeit, Daten manipulationssicher zu speichern, kann Blockchain auch dabei helfen, die internen Prozesse effektiver zu gestalten. Auch die MACH AG forscht im Innovation Hub nach neuen, effizienten Lösungen für Behördenprozesse.

Die Vorteile der Blockchain liegen in der dezentralen Datenverwaltung und in der manipulationssicheren Abwicklung von Transaktionen.

Jan Hedtfeld, Blockchain-Experte und Leiter Joint Innovation Lab

Die Blockchain hat das Potenzial, Interaktionen zwischen Bürgern, Behörden und Regierungen zu revolutionieren.

Wie kann die Blockchain-Technologie für Verbesserungen sorgen?

Jan Hedtfeld: Seit einiger Zeit beschäftigen wir uns im MACH Innovation Hub mit der Blockchain, müssen aber feststellen, dass die Einsatzmöglichkeiten im Moment noch im Anfangsstadium sind. Es gibt auf der einen Seite schon viele Prototypen und Pilotprojekte, aber wirklich produktive Anwendungen findet man derzeit noch selten. Wirkliche Verbesserungen sehen wir für Verwaltungen in der dezentralen Datenverwaltung und in der manipulationssicheren Abwicklung von Transaktionen durch die Blockchain. Aktuell laufen Transaktionen zwischen zwei oder mehr Parteien meist über Intermediäre wie Banken ab. Im Gegensatz dazu könnten Daten, die aktuell an drei verschiedenen Orten gesichert sind, in einer Blockchain dezentral angesteuert und verwaltet werden. Die Abhängigkeit von Intermediären würde abnehmen. Wir sprechen hier aber von einem andauernden Prozess, Änderungen werden nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen.

Blockchain Code hinter einem digitalen Kettenglied

Was ändert sich für den Bürger, wenn Verwaltungen auf Blockchain setzen und muss er sich Gedanken um seine Daten machen?

Jan Hedtfeld: Aus meiner Sicht soll es für den Bürger im Verwaltungsumfeld zunächst einmal keinen Unterschied machen, ob seine Daten in einer zentralen Datenbank oder in einer Blockchain gespeichert sind. Auch wenn sie dezentral gesichert sind, liegen die Daten verschlüsselt und sicher vor. Viele Menschen sind gerade bei Sicherheitsaspekten vorsichtig mit neuen Technologien. Deshalb ist es sehr wichtig, Bürger von Anfang an abzuholen und Vertrauen zu schaffen. Nur autorisierte Netzwerkteilnehmer werden auf die in der Blockchain gespeicherten Daten zugreifen können.

Welche Potenziale bringt die Blockchain im Behördenumfeld – auf welche Vorteile können Bürger hoffen?

Jan Hedtfeld: Zurzeit haben zentrale Datenbanken in den Behörden unter Umständen doppelte und dreifache Datenhaltungen. Zudem verhindern gesetzliche Vorgaben, dass Behörden Daten untereinander austauschen. Und diese Hürde kommt mit der Digitalisierung jetzt ans Licht. Erstmals wird es mit der Blockchain möglich sein, Daten zu Identität, Eigentum und Verifizierung manipulationssicher digital abzubilden. Das birgt entscheidende Vorteile für den Bürger, etwa beim Beispiel Personenstandswesen: Eine Person wird in einem Ort geboren, heiratet an einem anderen und stirbt in einer dritten Stadt. Was derzeit noch in drei verschiedenen Datensätzen dezentral gespeichert ist, könnte man mit einer Blockchain einheitlich abbilden und die Daten dann für mehrere Behörden freigeben. In Schweden sprechen sie hierbei vom „Once-Only“-Prinzip, also einer einmaligen Dateneingabe, die in der Blockchain gesichert und für auszufüllende Anträge und Formulare von Behörden jederzeit genutzt werden kann – eine große Entlastung für Bürger.

Einsatz der Blockchain-Technologie in Verwaltungen

Registerverzeichnisse

Identitätenverwaltung

Digitale Wahlen

Management von Rechten

Die Abbildung von Registerverzeichnissen per Blockchain ist ein spannendes Feld, denn in Deutschland sind derzeit über 200 dezentrale Register vorhanden, die teilweise noch weiter untergliedert sind.

Bei der Identitätenverwaltung sind einige Länder schon Vorreiter und auch hierzulande kann es ein zukunftsweisendes Thema werden.

Die Umsetzung digitaler Wahlen ist mit der Blockchain-Technologie durchaus denkbar – die Umfrageergebnisse der russischen Präsidentschaftswahl wurden zuletzt etwa in einer Blockchain gesichert.

Beim Bau einer Versorgungsstraße könnten in einer Blockchain-Anwendung alle notwendigen Rechte für die betroffenen Flurstücke beantragt und bearbeitet werden. Mit einem jederzeit für den Bürger einsehbaren Bearbeitungsstand.

Der Einsatz der Blockchain-Technologie kann interne Prozesse schlanker und effektiver gestalten.

Jan Hedtfeld, Blockchain-Experte und Leiter Joint Innovation Lab

Wo sieht die MACH AG Beispiele für Einsatzmöglichkeiten in Verwaltungen?

Jan Hedtfeld: Die Blockchain soll dort zum Einsatz kommen, wo sie Probleme löst und Prozesse optimiert. Generell sind all die Bereiche interessant, in denen Behörden miteinander arbeiten und dabei auf denselben Datensatz zugreifen müssen. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass der Einsatz der Blockchain die internen Prozesse schlanker und effektiver gestalten kann. Hier kann die öffentliche Verwaltung auch aus Erfahrungen der Wirtschaft profitieren. Die Deutsche Bahn hat z. B. über 120 Einsatzmöglichkeiten durchgespielt, um interne Abläufe zu beschleunigen bzw. transparenter zu gestalten.

Welche Einsatzgebiete sind in deutschen Verwaltungen noch denkbar?

Jan Hedtfeld: Wir denken natürlich darüber nach, wie man die Blockchain noch anderweitig einsetzen kann. Dazu gehört für uns etwa auch die Dokumentenverifizierung – ein interessantes Thema, dem wir nachgehen. Unter dem Stichwort Bürgerbeteiligung beschäftigt uns darüber hinaus die Frage: Wie könnte man die Bürger besser in das alltägliche Stadtleben einbeziehen? Dort entwickeln wir derzeit Planspiele mit Belohnungssystemen auf Blockchain-Basis.

Gab es bereits Tests im MACH Innovation Hub?

Jan Hedtfeld: In einem ersten Versuch haben wir die Blockchain im Kontext einer Fahrtenbuchanwendung getestet. Bei einem Fahrtenbuch ist es immer wichtig, dass die Daten manipulationssicher bereitgestellt werden. Zunächst haben wir die Idee basierend auf einer Ethereum-Blockchain entwickelt, dem zweitgrößten Kryptowährungssystem. Als nächstes überlegen wir, den Test mit einer anderen Distributed Ledger Technologie auszuprobieren, der sogenannten Hyperledger Fabric.

Bei den Tests stoßen wir immer wieder auch an Grenzen, da die Technologie noch nicht hundertprozentig ausgereift ist. Mit den Kollegen überlegen wir uns daraufhin neue Lösungsansätze. Wir wollen Erfahrungen mit den verschiedenen Möglichkeiten sammeln, daraus lernen und die Erkenntnisse am Ende in unsere Softwareentwicklung einfließen lassen.

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