4. Oktober 2018

Mit MACH die Realität erweitern und Bauprozesse verkürzen

Lena Müller-Ontjes, Leiterin des MACH Innovation Hub, weiß, wo es mit der Augmented Reality-Technologie in Zukunft hingehen kann. Im Interview beleuchtet sie Einsatzmöglichkeiten und Vorteile für Verwaltungen.

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Summary

Einige Branchen wissen bereits die Vorzüge von Augmented Reality für sich zu nutzen, doch im Behördenumfeld kommt es noch oft zu Medienbrüchen. Der MACH Innovation Hub hat in Kooperation mit dem Institut für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck einen Prototypen entwickelt, der Augmented Reality und E-Akte zusammenbringt – entstanden ist ein Showcase, der vor allem bei Bauvorhaben neue Dimensionen schafft.

Arbeitsschritte, die bisher vor dem Bildschirm gemacht werden mussten, können direkt vor Ort erledigt werden.

Lena Müller-Ontjes, Leiterin MACH Innovation Hub

Digitale Modelle in die Wirklichkeit holen – Augmented Reality (AR) klingt im ersten Moment ein bisschen wie Science Fiction.

Wo kommt die Technologie bei MACH zum Einsatz und wie verbreitet ist der Einsatz heute schon?

Lena Müller-Ontjes: Von Augmented Reality, also „erweiterter Realität“, hat man vielleicht schon im Kontext von Smartphone-Apps gehört. Auch bei uns im MACH Innovation Hub wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS) der Universität zu Lübeck eine App als Prototyp entwickelt, die AR mit der Bauakte verknüpft. Die Anwendung nutzt die Kamera vom Handy oder Tablet und projiziert ein fertiges 3D-Modell auf den 2D-Bauplan, erweitert also eine Abbildung um ein virtuelles Element.

Grundsätzlich wollen wir solche digitalen Technologien mit unseren bestehenden Lösungen verknüpfen. In diesem Fall haben wir ein Einsatzszenario für die AR-Technologie mit unserer MACH E-Akte gefunden. Darauf aufbauend haben wir einen prototypischen Showcase entwickelt. Wir sind noch in einer frühen Phase, aber viele, denen wir unsere Ideen vorgestellt haben, waren begeistert.

Das klingt nach einigen Neuerungen, die die Zukunft mit sich bringt. Wo liegen die Vorzüge für Verwaltungen?

Lena Müller-Ontjes: Im Moment läuft es so: Der Bauantrag wird im Bauamt häufig noch in Papierform eingereicht und von dort werden die Baupläne an verschiedene Behörden geschickt. Danach beginnt das Warten auf Rückmeldungen. Das könnte man digital abbilden, mit großen Vorteilen für den Bauherrn und die Verwaltung. In einer digitalen Bauakte kann von allen Beteiligten nachvollzogen werden: Bei wem befindet sich der Bauantrag gerade in der Bearbeitung, wer hat zugestimmt und wo hängt es im Moment? Zudem können Arbeitsschritte, die bisher vor dem Bildschirm gemacht werden mussten, direkt vor Ort erledigt werden. Für Bürger gestaltet sich die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner bei Fragen zum eigenen Bauantrag deutlich einfacher. Darüber hinaus erhöht sich die Transparenz um die Frage: Wo liegt eigentlich gerade welche Akte? Und so freuen sich am Ende alle Parteien über die transparente und unbürokratische Arbeitsweise.

Präsentation des Augmented Reality Cases auf der CEBIT

Vorteile einer digitalen Bauakte für Verwaltungen

Rückfragen reduzieren

Mobil arbeiten

Prozesse verschlanken

Papier einsparen

Für die Verwaltung liegen die Vorzüge darin, dass der Prozess für alle Beteiligten transparent ist und weniger Rückfragen zu beantworten sind. Mithilfe digitaler Prozesse können Baubehörden zielsicherer und serviceorientierter arbeiten.

Alle relevanten Dokumente stehen in einer mobilen Akte zur Verfügung: Über eine App ist der Zugriff direkt auf die E-Akte und alle Daten zum Bauvorhaben möglich. Zusätzliche Daten und Dokumente können vor Ort erstellt und in der digitalen Akte abgelegt werden. Ebenso lassen sich bestehende Dokumente mobil bearbeiten und speichern.

Im Vergleich zu gängigen Arbeitsweisen entfallen durch eine zentrale digitale Bauakte mehrfache Dateneingaben. Viele Bearbeitungs- und Freigabeschritte, die bisher manuell und vor allem nacheinander durchgeführt werden, können zukünftig automatisch erfolgen.

Statt einer umfangreichen Papierakte nehmen die Beteiligten nur noch ein Tablet oder Smartphone mit auf die Baustelle. Eine Papierakte braucht es dann nicht mehr, viele Ausdrucke werden überflüssig und es wird Papier gespart.

Welche Rolle kann der Einsatz von AR-Technologien dabei spielen? Hat auch der Bürger am Ende etwas davon?

Wir denken den AR-Einsatz als unterstützende Ergänzung der digitalen Bauakte. Einen großen Vorteil gibt es für Bauherren und Architekten, die bei einem Bauvorhaben für gewöhnlich viel erklären müssen. Mit einem 3D-Modell durch AR-Unterstützung entsteht – verglichen mit Plänen in 2D – eine realistischere visuelle Darstellung, wie das Haus am Ende aussehen wird.

Ein praxisnahes Beispiel für den Bauherrn kommt etwa bei der Klärung mit Nachbarn zutage. Das 3D-Modell eines Bauvorhabens veranschaulicht, was die eigentlichen Pläne sind und wie sich die Umbaumaßnahmen in der Realität darstellen. Letztlich entstehen weniger Missverständnisse und es steigert sich durch schnelleres Verständnis unter den Parteien die Effizienz der Prozesse – man kommt einfach schneller zum Ziel.

Unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Systeme zusammenzubringen, sodass der Nutzer seine Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend erreichen kann.

Lena Müller-Ontjes, Leiterin MACH Innovation Hub

Der Einsatz neuer Technologien ist immer auch eine Herausforderung im komplexen Verwaltungsumfeld.

Wie ist die MACH AG auf Hürden in den Behörden vorbereitet, welche Szenarien verfolgt und entwickelt der Innovation Hub?

Lena Müller-Ontjes: Wir stellen fest, dass einige Kommunen weiter sind als andere. In einigen Köpfen sorgen neue Technologien aber auch erst einmal für Skepsis. Eine große Hürde ist zudem sicherlich die Komplexität eines Bauantragsprozesses. Dadurch, dass verschiedene Behörden beteiligt sind, ist es eine große Herausforderung, sie alle miteinander zu verbinden. Dass der Einsatz neuer Technologien noch nicht so weit fortgeschritten ist, sorgt teilweise für Unverständnis. Zum Beispiel, wenn Architekten mit 3D-Plänen arbeiten, die dann für das Bauamt zurück in 2D umgewandelt und 5-fach ausgedruckt werden müssen. Diesen Medienbruch gibt es noch vielerorts. Unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Systeme zusammenzubringen, sodass der Nutzer seine Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend erreichen kann.

Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten der AR-Technologie sind in Verwaltungen denkbar?

Lena Müller-Ontjes: Unabhängig vom besprochenen Beispiel sind auch andere Einsatzmöglichkeiten von AR im Verwaltungsumfeld denkbar. Hält man beispielsweise seine Handykamera über ein Formular, könnten auf dem Display eingeblendete Informationen beim Eintragen helfen. Weitere Optimierungspotenziale ergeben sich, wenn AR- und Blockchain-Technologie in Verwaltungen miteinander kombiniert werden. 

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